Zu Beginn muß folgendes festgehalten werden: Biogas hat nichts mit "Bio" zu tun, wie Sie es als Qualitätssiegel z.B. bei Lebensmitteln kennen.

Das Gas entsteht durch Vergärung, also durch Mikroorganismen.Dies ist für sich betrachtet ein natürlicher Vorgang und wir kennen dies bereits vom Deponiegas, Faulgas u.ä. Vorgängen. Wenn nun also in diesen Anlagen tierische und pflanzliche Roh- oder Abfallstoffe vergoren werden (sogen. Biomasse), müssen wir uns darüber klar sein, dass darin alles enthalten ist, was bei der Erzeugung eingesetzt oder freigesetzt wurde: Düngemittel, Herbizide, Insektizide, Antibiotika ...

Mit dem Ausbringen der Gärreste als "Dünger" gelangen dann alle diese Stoffe, da sie nicht in Gas umgesetzt werden, wieder in unsere Umwelt. Sie  sehen selbst: das hat nichts mit "Bio" zu tun.

Die korrekte Bezeichnung wäre also: Anlage zur Methanherstellung auf der Basis pflanzlicher und tierischer Roh- und Abfallstoffe. Dann wäre allerdings jedem sofort klar, dass in diesen Anlagen nicht nur Mais und Gülle, sondern auch Geflügelmist und Schlachtabfälle, ja mit besonderen Auflagen sogar Rückstände aus der Lebensmittelverarbeitung, altes Fett etc.,  vergoren werden können.

Zur Klarstellung: Wir wenden uns nicht gegen sog. privilegierte Anlagen, die bis 0,5 MW als Bestandteil landwirtschaftlicher Betriebe von den Behörden genehmigt werden müssen. Sie dienen der Verwertung von Gülle und anderen Reststoffen wie Grasschnitt, natürlich auch Mais. Mit dem erzeugten Gas kann Strom und Wärme gewonnen werden. Die Rückstände lassen sich als Dünger verwenden. Es entsteht bei den Betrieben ein geschlossener Kreislauf. Mit der Vergütung aus der gewonnenen Energie läßt sich die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes verbessern.

Andere "Biogasanlagen" sind industrielle Betriebe zur Gaserzeugung. Das Gas kann auf Erdgasqualität aufbereitet und ins öffentliche Netz eingespeist werden. Oder es wird zur Erzeugung von Strom verwendet, der wiederum eingespeist wird. Die dabei entstehende Abwärme sinnvoll zu nutzen, ist häufig ein Problem. Ohne schlüssiges Wärmekonzept lassen sich die Anlagen kaum wirtschaftlich betreiben. Bei der Standortwahl entscheidet dann, scheinbar von allen anderen Kriterien losgelöst, nur die Frage, ob ein Nutzer für die Abwärme vorhanden ist. Außerdem sollen hauptsächlich Mais und andere Energiepflanzen in der Anlage verarbeitet werden, weil es dafür eine höhere Einspeisevergütung gibt.

Ostrhauderfehn ist für solche Anlagen, die üblicherweise größer als 0,5 MW sind, der denkbar schlechteste Standort.

Man stelle sich eine 1,5 MW-Anlage vor. Um sie mit Mais zu betreiben, wird eine Anbaufläche von ca. 700 ha benötigt. Diese Flächen stehen weder hier noch in der näheren Umgebung zur Verfügung. Mit dem Anbau von Energiepflanzen konkurrieren unsere Milchbauern. Sie benötigen Weideland und einen geringen Anteil Ackerfläche für die Futtermittelproduktion. Dieser Wettbewerb treibt die Pachtpreise in die Höhe und bringt unsere Milchbauern in Existenznöte.

Wenn die erforderlichen Rohstoffe in der Nähe einer Anlage nicht vorhanden sind, müssen sie, ggf. auch über große Entfernungen, herbeigeschafft werden. Das bedeutet für die Anwohner eine erhebliche zusätzliche Belastung durch Schwerlastverkehr.

Der Anbau von Mais und anderen Energiepflanzen erfordert einen hohen Aufwand an Düngemitteln. Durch Monokulturen steigt der Einsatz von Pestiziden zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung. Alle diese Faktoren gefährden das Grundwasser, langfristig damit auch unser Trinkwasser, und sie schaden unserer Flora und Fauna.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in unserer Region. Sein Kapital ist unsere einzigartige Fehnlandschaft. Wenn unser Landschaftsbild künftig von 4 m hohen Maiswüsten und 15 m hohen Biogasfermentern geprägt würde, müßte man sich wohl von vielen Urlaubern verabschieden.

Wollte man eine korrekte Ökobilanz erstellen, müßte man feststellen, dass dort nur ein großes Minus bleibt für die Bürgerinnen und Bürger, für unser Ökosystem und für unser Klima. Der Begriff "Bio"-gasanlage ist in diesem Fall wirklich irreführend und soll den Menschen vorgaukeln, es handele sich um eine saubere Technologie. Dies ist aber eher selten der Fall und erfordert optimale Standortbedingungen.

Die größten Probleme bestehen bei den sog. Nawaro-Anlagen: Methangasanlagen auf der Basis nachwachsender Rohstoffe leisten keinen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Der Treibhausgasminderungseffekt ist gleich null. Dies ist inzwischen durch unabhängige Studien zweifelsfrei festgestellt worden.

Die Anlagen widersprechen also den vom Gesetzgeber mit dem EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) festgelegten Zielen. Dort heißt es nämlich:

"Ziel des Gesetzes ist die Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung als zentrales Element für Klimaschutz / Umweltschutz / nachhaltige Entwicklung und die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromversorgung entsprechend den Zielen der EU und Deutschlands."

Nawaro-Anlagen dürften also gar nicht nach dem EEG gefördert werden. Ohne diese Förderung würde es sie auch nicht geben, weil ein wirtschaftlicher Betrieb gar nicht möglich ist.

Außerdem werden die globalen Auswirkungen nicht bedacht. Irgendwo auf der Welt fehlen die Ackerflächen, die wir zur Energieerzeugung nutzen, zum Anbau von Nahrungsmitteln. Ackerflächen sind aber ebenso begrenzt wie die Vorräte fossiler Energieträger. Deshalb kann man auf Ackerflächen erzeugte Energieträger nicht als "erneuerbare Energien" bezeichnen.

Wir können an dieser Stelle nicht alle zu diesem Thema geführten Diskussionen wiedergeben. Aber Sie erkennen sicherlich, dass wir gute Gründe für unseren Widerstand gegen derartige Anlagen haben.

Es geht hier ja nicht um Entscheidungen für wenige Wochen, sondern für Jahrzehnte. Die Einspeisevergütung ist den Betreibern für die nächsten 20 Jahre garantiert. Können Sie das für Ihr Einkommen auch behaupten?

Zusammengefasst kann man nur feststellen: Den Profit macht der Betreiber, vielleicht noch ein paar Landverpachter. Alle Belastungen und negativen Auswirkungen tragen die Bürgerinnen und Bürger.